Ein freiwilliges soziales Jahr in einem Hospiz???

Ja, so etwas gibt es. Laura hat es gewagt und hier lesen Sie ihren Erfahrungsbericht.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr im Hospiz St. Elisabeth

„Und was machst du jetzt nach dem Abitur?“ „Ich werde ein freiwilliges soziales Jahr machen“. „Ach, wie schön! Und, weißt du schon in welchem Bereich?“ „Ja, im Hospiz St. Elisabeth in Dortmund“ „Oh,… Und hast du dir das gut überlegt? Kannst du das? Ich könnte das ja nicht…“. Und dazu immer dieser erschrockene Blick.

So oder so ähnlich lief fast jedes Gespräch im Vorfeld meines freiwilligen Jahres ab, kaum jemand fand die Idee auf Anhieb gut, schön und wichtig und erst Recht wohl kaum angebracht für ein gerade mal 18jähriges Mädchen. Immer wieder musste ich erklären, warum ich mich für ein Jahr „mit dem Sterben“ entschieden habe und bald schon war ich es leid.

Jetzt nach 12 Monaten kann ich zwar nachvollziehen, dass viele Respekt vor der Hospizarbeit haben, aber ich habe sie von einer anderen Seite kennengelernt. In unserem Haus liegen Leben und Sterben nah beieinander. Dadurch, dass man den Tod annimmt als etwas Unausweichliches, als etwas, das zu uns allen gehört, kann man ihm zumindest einen Teil seines Schreckens nehmen.

In der Hospizarbeit geht es aber vor allem um das Leben unserer Gäste. So viele unterschiedliche Menschen mit Lebensgeschichten, die verschiedener nicht sein könnten, kommen hier zusammen. Gemeinsam mit Angehörigem, anderen Gästen, unserem Haupt- oder Ehrenamt und teilweise nur für sich, verbringen sie ihren letzten Lebensabschnitt im Hospiz.

Jeder Gast wird in seiner Einzigartigkeit akzeptiert. Die Atmosphäre im Haus ändert sich deshalb durch jeden neuen Gast ein wenig. Oft sitzen einige von ihnen bei uns im Wohnzimmer und unterhalten sich bei gemeinsamen Kaffeerunden, gucken sich Fotos an, oder diskutieren darüber, wer denn nun besser singen kann, der Howard Carpendale oder doch der Roland Kaiser. Oft kommt es gar nicht darauf an, die spannendste Beschäftigung zu bieten, sondern ein einfaches Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel reicht, um zu einer Art Ritual zu werden. Schnell wird das dann täglich eingefordert.

Es gibt Trubel mit Besuchern und Ehrenamtlichen und natürlich auch die ruhigeren Momente. So unmittelbar vor dem Sterben teilen viele Gäste ihre Ängste offen und ehrlich mit, sagen, was sie bedrückt oder immer noch beschäftigt. Erlebnisse aus der Kindheit und aus dem Krieg sind nicht selten Gesprächsstoff.

Direktheit ist etwas, dass ich in diesem Jahr schätzen gelernt habe. Wenn das Essen nicht geschmeckt hat, weiß man das direkt im Anschluss. Auch Positives, wie ein aufrichtiges Lob, erfährt man nirgendwo sonst so ohne Umwege. Sich nicht fragen zu müssen, welche Beziehung man zu einem Mitmenschen hat, ist ungewohnt erfrischend und wird mir definitiv fehlen.

Also: ja, ich hatte mir „das”  gut überlegt. Ja, ich konnte „das”. Nicht immer, aber fast immer. Und doch, ich glaube, viele, die das für sich bezweifeln, könnten „es” auch.

Ich zumindest würde mich immer wieder für ein Jahr „mit dem Sterben” entscheiden!!!